Stadtrat Siegfried Schlegel, DIE LINKE, begrüßt die ernsthaften Überlegungen in der SPD zu einem neuen Schulmodell, welches auch die Abkehr von kostenintensiven Provisorien beinhaltet. Sofort stellt sich aber die Frage, warum nicht in diesem Sinne hier und heute mit der 3. Grundschule beginnen? So notwendig es ist, die Investitionen für die Schulerneuerung schon 2012 von bisher 28 Mio. € auf 30 Mio. € zu steigern, so sicher ist aber auch, dass die Stadt allein dies nicht stemmen kann. Ohne entsprechende Fördermittel sind notwendige Ergänzungsneubauten nicht zu finanzieren. Das begehrte Wundermittel „Containerschule“ kommt die Stadt auf Dauer teuer zu stehen, vergrößert sogar den Sanierungsstau und behindert am gleichen Standort die Bauabläufe.
Es ist den Leipzigern nicht vermittelbar, dass sich kurzzeitig nicht 4 Klassenräume im unmittelbaren Umfeld finden lassen sollen, zumal ein Großteil der Schüler der 3. Grundschule aus den Wohnquartieren westlich der Karl-Liebknecht-Straße kommt. Außerdem hat es bis 1971 in diesem Gebiet bei größerer Kinderzahl immer nur die damalige 4. Oberschule gegeben. Die Stadträte Siegfried Schlegel und Sören Pellmann haben dazu einen Ergänzungsantrag für die Ratsversammlung am Mittwoch eingereicht.
Die seit Jahren von Bauexperten angemahnte radikale Kursänderung in der Schulerneuerungspolitik wird nun durch das praktische Leben erzwungen. Jetzt kommt einen überarbeitete Vorlage zur Abstimmung, die nicht den Abriss des bisherigen Schulgebäudes, sondern seine Sanierung vorsieht. Jahrelang wurden entsprechende Vorschläge quer durch alle Fraktionen belächelt und ohne Sachkenntnis vom Tisch gewischt.
Selbstverständlich sind auch künftig Wünsche von Schülern, Eltern und Lehrern bei der Neugestaltung der Schulen zu beachten. Vieles spricht aber dafür, dass das im europäischen Maßstab veraltete dreigliedrige deutsche Schulsystem überwunden wird, so dass Prognosen bis zum Jahr 2020 mit gewissen Einschränkungen zu betrachten sind. Auch demografische Veränderungen erfordern künftig ein höheres Maß an Multifunktionalität von Schulgebäuden. Deshalb sollte erwogen werden, neben der Arbeitsgruppe Schulnetzplanung eine kooperierende Arbeitsgruppe zur nachhaltigen Schulerneuerung zu bilden.