Ursprünglich entstand die Idee für den aller zwei Jahre vergebenen Leipziger Architekturpreis für gelungene und kreative Architektur für Neubau, Um- oder Anbauten aus Debatten im Planungsausschuss. Es lag die Vorstellung zugrunde, beliebige und einfallslose, sich ständig wiederholende Architektur mit „Keksrollen“, pink- oder türkisfarbenen Fassadenkonstruktionen mit einem Negativpreis zu würdigen. Schnell wurde erkannt, dass die Würdigung von Gebäuden, die sich in die historische Umgebung einfügen und selbstbewusste, nicht dominierende moderne Architektur verkörpern, den Wettbewerb der Bauherren und Architekten beflügeln kann. Davon profitieren letztlich alle – Einwohner und Gäste der Stadt.
Deshalb gilt die Gratulation der Linksfraktion nicht nur den Preisträgern des Architekturpreises, die diesen zu Recht erhalten haben, sondern allen, die bei Einhaltung des Kostenrahmens und hohem Kostenbewusstsein durch Kreativität eine ansprechende Architektur gestalten. Das gelingt vollständig nur dann, wenn auch die Leute auf den Baustellen und die Bauherren mitziehen. Mit Peter Conradi hat die Jury einen Vorsitzenden, der seit vielen Jahren für ein zeitgemäßes Bauen von Gebäuden eintritt. Er vertritt die Auffassung, dass Funktionalität und Zeitgeist im Innern auch in der Fassade widerspiegelt sein sollen. Von städtebaulich zwingenden Einzelfällen abgesehen, ist eine historisierende kulissenartige Fassadengestaltung, wie sie in Dresden oder Potsdam um sich greift, Ausdruck des Nachtrauerns an eine schöne alte Zeit, die es so nie gegeben hat. Darüber hinaus zeugt sie von fehlender eigener Kreativität.
Die Aufgeschlossenheit der Messestadt gegenüber Neuem und Kreativen seit über hundert Jahren machten zu jeder Zeit Leipzigs Einzigartigkeit und Attraktivität aus. Selbst in Jahren eines getypten Wohnungs- und Gesellschaftsbaus der 1970 – 1980-er Jahre war es immer das Bestreben der Architekten und Bauleute, durch gelungenen Städtebau und Fassadengestaltung trotz vieler wirtschaftlicher Zwänge die Uniformität zu durchbrechen, wofür das innerstädtische Bauen bei Lückenschließungen Möglichkeiten bot.
Siegfried Schlegel, Sprecher für Stadtentwicklung und selbst seit über 40 Jahren auf dem Bau tätig, widerspricht der aufgekommenen Diskussion, möglichst einen Leipziger Typ für Schulen und Kitas zu entwickeln und nur ausschließlich diesen zu bauen. Vielmehr tritt er seit Jahren für gezielten Umbau und Umnutzung sowie konsequente Nachnutzung von Gebäuden, zumindest von intakten Rohbaustrukturen, ein. Statt unsinnigem Abriss von Mauerwerks- oder Stahlbetonkonstruktionen und deren Neuschaffung werden so bezahlbare Freiräume für angemessene Nutzerwünsche geschaffen. Sehr wohl könnten auch gelungene und die Kosten einhaltende realisierte Projekte vereinzelt wiederverwendet werden, da sich durch die städtebauliche Umgebung und Änderungen der Farbigkeit Variationsmöglichkeiten ergeben.