15. Dezember 2011 Dr. Ilse Lauter

Bekenntnis gegen Thälmann – gerade jetzt?

Der Stadtrat hat gestern mit Mehrheit für die Rückbenennung des Ernst-Thälmann-Platzes in Volkmarsdorfer Markt gestimmt. Damit unterläuft er den Konsens aus früheren Jahren, dass Straßennamen historischer Persönlichkeiten nur dann geändert werden sollten, wenn dies neue historische  Erkenntnisse geraten sein lassen. Und neu war an den Argumenten, die Herr Sasama anführte, nichts. Das betonte auch der Fraktionsvorsitzende der SPD.
Dem 1944 ermordeten Ernst Thälmann seine Glorifizierung in der DDR vorzuhalten, ist nachgerade unsinnig. Völlig einseitig ist auch die Behauptung, er sei – wenn auch indirekt - am Aufkommen des Hitlerfaschismus schuld.
Ernst Thälmann war kein Heiliger. Er hat gekämpft, geirrt und sich korrigiert und ist durch die Nazis grausam umgebracht worden. Er verdient es, wie auch andere Widerstandkämpfer, dafür von uns geachtet zu werden.
Der Ersatz des Straßennamens durch eine Gedenktafel ist eine Herabstufung und damit eine Herabwürdigung seines Andenkens. Die Aberkennung ist ein fatales Zeichen, gerade in der heutigen Zeit. Dass sich auch der Oberbürgermeister nicht enthalten konnte, gegen Thälmann zu stimmen, ist dabei höchst bedenklich.