Die mit heißer Nadel gestrickte und viele Wünsche offen lassende Vorlage soll nun doch in Gänze abgestimmt werden. Dabei ist es verständlich, dass über die Verkäufe heute entschieden werden soll.
Aber die strategischen Pläne zur Umgestaltung in eine Managementholding? Basierend auf einem Evaluationsbericht, der höchst strittig ist, dessen Datenbasis nicht nachvollziehbar ist und der in seiner hohen Allgemeinheit nur begrenzt umsetzbar scheint.
Sehr geehrte Damen und Herren, leider haben Sie in Ihrer Mehrheit eine gründliche Abwägung dieser Beschlüsse (Beschlusspunkt 1) verhindert.
Zu hinterfragen und zu diskutieren wäre zum Beispiel:
Was war der Auftrag den der Stadtrat im Februar erteilt hat? Er lautet, „… den 2007 eingeleiteten Entwicklungsprozess der LVV von einer Finanz- zu einer Managementholding durch eine […] Unternehmensberatung evaluieren zu lassen. Dabei sollten insbesondere sechs Punkte untersucht werden , auf die ich jetzt eingehen will:
Sind die Berater diesem Auftrag wirklich gerecht geworden?
Punkt 1 – Gegenüberstellung bisheriger Kosten und Nutzen:
· Die seit 2008 entstandenen Kosten werden nach den angefallenen Personalkosten u. ä. allein aus dem Jahr 2011 berechnet.
· Ein Nutzen wird gleich gar nicht beschrieben – gibt es keinen oder wurde das vergessen?
· Die einzelnen bisher eingeleiteten Maßnahmen werden nicht bewertet, weder inhaltlich noch nach dem Umsetzungsstand, noch nach ihrer Ausrichtung. Waren das Schritte in die richtige Richtung oder nicht?
Punkt 2 – Identifikation und Einschätzung zukünftiger Kosteneinsparpotentiale, insbesondere durch Bündelung gleichartiger Aufgaben im Konzern
· Die untersuchten Prozesse bzw. Abteilungen scheinen willkürlich ausgewählt zu sein, jedenfalls ist die Auswahl nicht nachvollziehbar.
· Besonders fragwürdig sind für uns die Grundlagen, Daten und Ergebnisse der Benchmarks, wo auch auf entsprechende Nachfragen nicht überzeugend geantwortet werden konnte.
Punkt 3 – Identifikation von struktur- und interessensbedingten Konfliktlinien
· Gab es eine systematische und strukturierte Befragung der Beteiligten (Management, Führungskräfte, Beschäftigte)? Dokumentiert ist dazu jedenfalls nichts.
· Wurden die Ergebnisse der Gespräche ausgewertet, um Konflikte und ihre Aufarbeitung zu benennen?
· Ist das vorgeschlagene „Organisationsmodell“ wirklich geeignet, um die Konfliktlinien aufzuarbeiten?
Punkt 4 – Steuerbarkeit der Unternehmen durch die Stadt Leipzig als Gesellschafterin
Dieser Punkt wird schlichtweg nicht beantwortet. Es handelt sich ja auch nur um das Thema Steuerung des Konzerns durch die Stadt Leipzig. Ist wahrscheinlich zu vernachlässigen.
Punkt 5 – Auswirkungen auf die Managementqualität, Reaktionsgeschwindigkeiten und die Marktfähigkeit der drei Tochterunternehmen KWL, SWL und LVB
Außer der unbelegten Behauptung, dass die Holding einen spürbaren Mehrwert für die Konzerngesellschaften bringen wird, halten sich die Erkenntnisse und Empfehlungen in hoher Allgemeinheit.
Punkt 6 – Handlungsempfehlungen aus der Analyse des status Quo und Empfehlungen für Optimierungsmöglichkeiten
Hier ist besonders die Empfehlung bemerkenswert, dass nun aber unternehmensübergreifend Synergien und Optimierungen gefunden und geprüft werden sollen. Das finden wir im Beschluss unter 1.5 wieder. War das nicht Aufgabe der Evaluierung selbst (Punkt 2)? Aber wenn diese Aufgabe nicht geleistet wurde, wie soll man das Gutachten als Orientierungsrahmen nutzen?
Als Lehrerin hätte ich den Gutachtern gesagt – nicht bestanden, setzen.
Und dennoch soll die LVV auf dieser höchst unvollkommenen Basis ein Organisationsmodell „gemäß“ dieses Evaluationsberichtes umsetzen (Beschlusspunkt 1.3). Das kann man nicht unwidersprochen hinnehmen. Zum einen greift das aus unserer Sicht in das operative Geschäft der LVV unzulässig ein, was ja gerade vermieden werden soll (Beschlusspunkt 1.4). Zum anderen ist – wie ich gezeigt habe – das Gutachten als Basis für weitreichende strategische Entscheidungen nicht geeignet. Sollten wir das Gutachten nicht einfach zur Kenntnis nehmen, dann beiseite legen, der LVV-Führung gemeinsam mit den Mitarbeitern die Ausgestaltung der Managementholding übertragen und dabei klare Verantwortlichkeiten benennen?
Unser Änderungsantrag 2 zum Punkt 1 soll das erreichen. Er soll die Sache vom Kopf auf die Füße stellen,
· den Ist-Status solide bewerten
· Maßnahmen für Synergie und Prozessoptimierung definieren
· konkrete Schlussfolgerungen daraus ziehen
· entsprechende Maßnahmen einleiten
· einen klaren Terminplan einhalten
· und Verantwortlichkeiten benennen.
Dabei sollen folgende Prämissen eingehalten werden:
· Handlungsfähigkeit des Konzerns erhalten
· notwendige Maßnahmen sozialverträglich gestalten
· die Ausbildung im erforderlichen Maß erhalten.
Sehr geehrte Damen und Herren demokratische Stadträte, ich bitte Sie, unserem Änderungsantrag 2 zuzustimmen.
Rede auf der Ratsversammlung am 25.1.2012 zur DS V/1935 "Umsetzung der Ratsbeschlüsse Nr. 279/10 und Nr. 675/11: Strategische Neuausrichtung des LVV-Konzerns".