25. Januar 2012 Siegfried Schlegel

Gestaltete Freiraumachse Straße 18. Oktober im Bereich der Alten Messe und neuer Brücke über Eisenbahnstrecke verbindet das Völkerschlachtdenkmal direkt mit der Innenstadt

Zu den Gründen für die Entscheidung 1991 zur Verlagerung der  Leipziger Messe in den Norden gehörten, dass diese nur in einem attraktiven und modernen Ansprüchen gerecht werdenden Messeneubau in Kombination mit einem Kongress- und einem Pressezentrum sowie mit direkter Anbindung an Autobahn und Eisenbahn sowie Nähe zum Flughafen ohne Unterbrechung überleben kann. Parallel zum Messeneubau fanden bis zur Eröffnung der Neuen Messe am 16. April 1996 Messeveranstaltungen auf der alten Technischen Messe statt. Unmittelbar nach dieser Grundsatzentscheidung gab es erste Überlegungen, wie die Alte Messe nachgenutzt und städtebaulich gestaltet werden soll. So wurde im Ergebnis eines städtebaulichen Gutachterverfahrens ein Rahmenplan vom Siegerbüro Prof. Coersmeier erarbeitet, der neben der Vision eines integrierten innerstädtischen Stadtteils auch den Anspruch formulierte, dass sich bei der Neubaustrukturierung des über 100 ha großen Areals möglichst die historisch überkommenen Straßen- und Hallenstrukturen in den zukünftigen  Baugrenzen und Baulinien der neuen Quartiere widerspiegeln. Diese sollten jeweils eine volle Grundstücksausnutzung ermöglichen. Neben dem Erhalt der Baudenkmale Hallen 11  + 16 sowie des Portikus des Sowjetischen  Pavillons war der Erhalt der Freiraumachse Straße des 18. Oktober mit ihren vorhandenen und neuen Baumachsen als Ziel fixiert.  Ganz neu waren diese Ansätze nicht. Bereits 1973 wurden in der Zeitschrift „Deutsche Architektur“, Heft 10, Studien für einen Entwicklungsplan vorgestellt, wonach die Achse Straße des 18. Oktober zum Bandzentrum mit Kongresszentrum am Deutschen Platz  und in den Hallen angelagerte Gastronomie-, Service- und Handelsbereiche entwickelt werden sollten. Für das  Gesamtgelände stellte man sich vor, es analog zur Innenstadt in mehrere Bereiche zu teilen. So war es auch kein Zufall, dass die erste Stadtwerkstatt 1998 Szenarien für die Alte Messe entwickelte: „Gartenstadt und Wildschweinsiedlung“, „City Russo“ oder „Neue Arbeit“, die neben Wohnungsbau am östlichen Rand und im südwestlichen Bereich auch die Vision für die Ansiedlung von Arbeitsplätzen und universitären  und Forschungseinrichtungen entwickelte. Dies wurde bereits 1991 im Planungsausschuss vorgeschlagen. Jahrelang widerstand der Aufsichtsrat der Leipziger Entwicklungs- und Vermarktungsgesellschaft (LEVG) dem Ansinnen von Investoren, in der Mitte der Freiraumachse gastronomische und Handelseinrichtungen zu platzieren.  Nachdem der Investor Porta frühzeitig erkannte, dass die überkommene Platzsituation mit der städtebaulichen Struktur der Hallen 1 bis 3 auch imagebildend genutzt werden kann, sollte es Herausforderung sein, auch die Freiraumachse  landschaftsplanerisch als begrünten urbanen Raum zu gestalten.  Mit dem Antrag 186 „Neugestaltung der Achse Straße des 18. Oktober zwischen Allee Alte Messe und Friedhofsweg“ in der ursprünglichen Fassung regte die Linksfraktion an, ein Konzept für die Neugestaltung der Achse Straße des 18. Oktober nicht nur innerhalb des Areals der Alten Messe zwischen Osteingang und Allee Alte Messe, sondern ergänzend auch die Fortführung der Achse von der Allee Alte Messe bis zum Friedhofsweg, einschließlich Brücke mit direktem Zugang zum S-Bahnsteig, zu erarbeiten. Dazu hätten wir uns ein gesondertes Gutachterverfahren mit Brückenplanern für den Brückenbereich vorstellen können. Die historische denkmalwürdige städtebauliche Situation der gewundenen Zugangsrampen sollten aus dem Dornröschenschlaf geholt sowie eine Freitreppe mit großzügiger Terrasse modern interpretiert werden. Gleichzeitig wollten wir auf den Konflikt zwischen Großveranstaltungen vor dem Völkerschlachtdenkmal einerseits mit seiner Funktion als Mahnmal und andererseits mit der unmittelbaren Nachbarschaft zum Südfriedhof hinweisen. Deshalb haben wir angeregt, zahlreiche dieser Veranstaltungen in die Freiraumachse der Straße des 18. Oktober der Alten Messe zu verlagern, da diese als Kerngebiet kaum Beschränkungen begründet. Diese Anregungen wurden nunmehr bereits in die Auslobung „Gutachterwerkstatt Straße des 18. Oktober/ Alte Messe“ übernommen und das Wettbewerbsgebiet bis zum Wilhelm-Külz-Park erweitert. Im Rahmen der Vorberatungen zum Gutachterverfahren formulierten Landschaftsarchitekten, dass in Ergänzung zur Freiraumgestaltung die ingenieurtechnische und architektonische Planung des Fußgängerbrückenneubaus durch Brückeningenieure und Architekten erbracht werden soll.  Die Brücke über die Gleistrassen im Zuge der Straße des 18. Oktober zwischen Völkerschlachtdenkmal und Innenstadt  wird auch vom neuen S-Bahnsteig, der Brücke Prager Straße und Wilhelm-Külz-Park einsehbar sein. Sie sollte deshalb gestalterisch ansprechend und modern die denkmalschutzwürdigen gewundenen westseitigen Zugangsrampen mit einer mittigen Freitreppe interpretieren und für neue Nutzungen offen sein. In meinem Redekonzept hatte ich zu unseren Punkten 2 + 3 und Brückenplanungen in 2013 Abbruch und Ersatzneubau der Brücke nach Abschluss der netzergänzenden Ausbaumaßnahmen der Deutschen Bahn sowie zum Bau in den Jahren 2014 und 2015 geschrieben, dass dies das Leben zeigen soll. Mit dem Alternativvorschlag der Verwaltung wird nunmehr bereits heute darauf eingegangen und das Vorhaben planerisch ins Laufen gebracht. Deshalb machen wir uns den ergänzenden Vorschlag zu eigen und bitten um Zustimmung zu dem zur Abstimmung stehenden Punkt 1 der Neufassung des Antrags.

Redebeitrag zur Stadtratssitzung am 25.01.2012 zur Neufassung des Antrags V/A 186 vom 08.09.2011 „Neugestaltung der Achse Straße des 18. Oktober im Bereich des Osteingangs der Alten Messe zwischen Friedhofsweg und Allee Alte Messe – Bereich Brückenersatzneubau“.