12. Oktober 2011 Dr. Bernhard Brand

Und die Sonne scheint immer etwas früher als in Leipzig

Als ich vor fast 4 Jahren hier zum Bau der Staatsstraße S 79 gesprochen habe, tat ich das mit größtem Optimismus, auch für die Entwicklung der dort brachliegenden Industrie- und Gewerbeflächen in Engelsdorf und damit für die fast 15 größeren und kleineren Betriebe. S 79 stand auf der Prioritätenliste, zunächst auf Platz 11, später auf Platz 16 von 17 Plätzen. Nun steht sie auf gar keiner Liste mehr, weil es keine S 79 mehr gibt.
Auf Engelsdorfer Flur zwischen den Bahnstrecken nach Chemnitz, und Dresden und der heutigen Engelsdorfer Straße gibt es 100 Hektar Gewerbefläche, das sind 1000 x 1000 m, wo innerhalb der letzten 21 Jahre nicht 1 Meter Erschließungsstraße entstanden ist; aber ohne Erschließungsstraße, da blüht keine Industrielandschaft! Die 400 Meter gebaute (ehemalige) S 79 von der Engelsdorfer zur Werkstättenstraße ist zwar für den Verkehr von Mölkau nach Engelsdorf gut, und der Discounter „Teppichfreund“ freut sich auch, aber für Gewerbeansiedlung ist es weniger als nichts.


Seit 1. Januar 2011 gibt es nun keine S 79 mehr, auf Förderung vom Freistaat kann man nicht mehr hoffen, es sei denn, der Mühlweg und die Arthur-Winkler-Straße werden bis zum gemeinsamen Schnittpunkt als öffentliche Straßen unter der Fahne „Wirtschaftsförderung“ gebaut. Und dafür wirbt der Antrag.
Es gibt genügend produzierendes Gewerbe: Rail Service, Cargo Beamer, Dyckerhoff Transportbeton. Von den Straßen profitieren aber auch LKW-Reparierer und Spediteure, alles, was sich auf dem ehemaligen Gelände von RAW und Baumechanisierung angesiedelt hat.
Eine Willensbekundung aller dieser Gewerbetreibenden  für diese Straßen hat es im Frühjahr gegeben.
Vor 1990 gab es auf den genannten Flächen nahezu 10 000 Arbeitsplätze, heute sind es knapp 1000. Betriebe wie Ferngasleitungsbau und Verpackung waren europaweit bekannt, das RAW versorgte den Gütertransport in der DDR und in der Bauakademie wurden Stahlbetonträger und sogar geplante Hüllen für Atomkraftwerke geprüft, da staunen noch heute Ingenieure aus Nordrhein- Westfalen.
Es muss wohl an dem Ortsnamen mit den „Engeln“ liegen, dass Menschen hier in Engelsdorf wohnen wollen, vor 800 Jahren, als sie Fleisch und Korn nach Leipzig lieferten, vor 100 Jahren, als die Eisenbahnwerkstätten und der Güterbahnhof eingerichtet wurden, und vor 20 Jahren, weil die Infrastruktur immer ein bisschen besser als in anderen Randgebieten war und ist: bei Krippen und Kindergärten, bei Grundschule und Gymnasium, im Einkauf und Nahverkehr und z.Z. beim altengerechten Wohnen.                                                                                                     
Und die Sonne scheint immer etwas früher als in Leipzig.

In Engelsdorf wohnt man überwiegend in mehrgeschossigen Häusern, und es gibt zurzeit kaum noch einen  Mehrgeschosser, der nicht  saniert ist. Das freut alle, denen es um Energieeinsparung  und um ortsnahe Arbeitsplätze geht. Uns geht es um Beides. Deshalb werben wir für die Entwicklung der  teilweise ungenutzten Gewerbeflächen.
Wenn alle Menschen, die in Engelsdorf wohnen, auch in Engelsdorf  arbeiten möchten, bräuchten wir die Entwicklung der Gewerbe-gebiete  und dafür die Erschließungsstraßen als Verlängerung des Mühlweges und der Arthur-Winkler- Straße. Der Bau dieser Straßen wäre Wirtschaftsförderung „in echt“, wie die Jungen neudeutsch sagen, verhinderte Abwanderung von Gewerbe und brächte weitere Arbeitsplätze im Osten unserer Stadt. Packen wir es an!!! 

Rede zum Antrag HP 039 der Stadträte W. Gasse und J. Lehmann.