Die Linksfraktion schlägt ihnen mit diesem Antrag vor den Maßnahmekatalog zur Früherkennung und Frühförderung von Kindern, bei denen krankhafte Störungen auftreten nach nunmehr fünf Jahren fortzuschreiben.
Anlass für diesen Antrag sind die nach wie vor diesbezüglich nach wie vor besorgniserregende Befunde. So werden bei 45 % der 4-jährigen Leipziger Kinder Sprachauffälligkeiten festgestellt, bei 20 % Störungen der Feinmotorik. Trotz Förder- und Therapieangeboten bleibt die Zahl der Kinder mit Sprachauffälligkeiten auch bei der Schulaufnahmeuntersuchung groß, bei 32 % der Untersuchten lagen 2010 entsprechende Befunde vor. Auch feinmotorische Defizite bleiben bei einem Viertel der SchulanfängerInnen virulent.
2003/ 2004 wurde die Kita-Untersuchung für 4-jährige Kinder als Pflichtaufgabe des Öffentlichen Gesundheitsdienstes eingeführt. Ein wesentlicher Grund dafür war und ist, dass diese Untersuchung im frühen Alter ansetzt und dazu beitragen soll Entwicklungsverzögerungen oder -störungen bei Kindern systematisch und flächendeckend früh zu erkennen und bedarfsgerechte Fördermaßnahmen zu initiieren. Seit ihrer Einführung nehmen zwischen 70 und 80 % der Kinder die Kita-Untersuchung wahr, die Zahl der Kinder, die aus verschiedenen Gründen nicht erreicht werden, bleibt allerdings stabil. Diese Kinder haben also keinen Zugang zu Früherkennungs- und Fördermaßnahmen.
Nicht erkannte und behandelte Sprachauffälligkeiten bzw. -störungen können zur folge haben, dass die soziale Integration von Kindern behindert wird, dass die betroffenen Kinder Frust und mangelndes Selbstwertgefühl aufbauen. Nicht selten kommt es auch zu Lernproblemen, vor allem beim Lesen und Schreiben. An die 10 % Kinder des Einschulungsjahrgangs 2010 erhielten eine jugendärztliche Empfehlung für sonderpädagogischen Förderbedarf, bei über 40 % dieser Kinder waren Sprachstörungen der Grund.
Angesichts der Tatsache, dass der Anteil der Kinder, die die Vorsorgeuntersuchung in der Kita nicht wahrnehmen wie auch der Kinder, bei denen Auffälligkeiten besonders im sprachlichen Bereich festgestellt werden, sich seit Jahren nicht verändern im Sinne von verbessern, fordert meine Fraktion in diesem Bereich konzertierter vorzugehen.
Mit unserem Antrag wollen wir ein Instrument aktualisieren, das sich der Stadtrat bereits vor über 10 Jahren gegeben hat.
Im Jahr 1997 hat die damalige PDS-Fraktion per Antrag eine Analyse und darauf aufbauendes Maßnahmekonzept für die Frühförderung von Kindern mit krankhaften Störungen eingefordert. Damals, als es die Kita-Untersuchungen noch nicht gab, lag die Zahl der Kinder mit Sprachauffälligkeiten bei der Einschulung bei 20 %. Aus dem Antrag resultierte 1998 ein Analysebericht und 2001 ein Maßnahmeplan zur Früherkennung und Frühförderung von Kindern, bei denen krankhafte Störungen auftreten.
Dieser Plan umfasste u.a. eine verstärkte Sensibilisierung und Information der Eltern, Weiterbildung von ErzieherInnen in Kita, die Sicherung von Platzkapazitäten in Integrations-Kindertagesstätten und die Einrichtung einer AG Frühförderung beim Behindertenbeirat der Stadt.
Der Maßnahmeplan wurde bis 2006 jährlich fortgeschrieben. Im letzten Bericht hieß es unter anderem:
„Aus Sicht des Arbeitskreises Frühförderung hat die breite Diskussion um den Maßnahmekatalog und die Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen zur Verbesserung der Früherkennung und Frühförderung in den vergangenen Jahren beigetragen. Einige der Maßnahmen wie z.B. die Schaffung einer Frühförderstelle, können als erfüllt betrachtet werden. Die meisten Maßnahmen müssen weitergeführt, mit neuen Inhalten ausgestattet und ggf. neue Maßnahmen hinzugefügt werden.“
Hier also knüpfen wir mit unserem Antrag an. Eine Neuauflage des Maßnahmekataloges soll vor allem den betroffenen Kindern, überforderten Eltern aber auch der Stadt helfen dem Problem beizukommen, indem Maßnahmen transparent und mit vielen Akteuren – aus der Jugendhilfe, aus Bildungseinrichtungen, dem medizinischen und therapeutischen Bereich sowie Eltern – angegangen und kontrolliert werden können.
Ich bitte Sie herzlich um Zustimmung zu unserem Antrag.
Rede zum Antrag A 184 "Aktualisierung/Fortschreibung des Maßnahmeplanes zur Früherkennung und Frühförderung von Kindern, bei denen krankhafte Störungen auftreten". Er wurde beschlossen.